Voller Vorfreude traten am Freitag vor Pfingsten 14 Mitglieder unseres Clubs die Bahnfahrt nach Vanves an. In Paris-Nord angekommen, regnete und stürmte es gewaltig. Man musste warten, denn der Bus aus Vanves hatte Verspätung. Da passierte es: der Sturm wehte so heftig, dass ein Metallteil durch die Luft segelte und sich Beatrices Kopf als Ziel aussuchte, diesen aber zum Glück „nur“ streifte! Der Schock war groß, denn die Wunde blutete heftig. Die ambulance brachte Gilles und Beatrice ins nahegelegene Krankenhaus, wo die Wunde versorgt und genäht wurde. Inzwischen konnten die Anderen mit dem Bus nach Vanves fahren, wo bereits die übrigen Mitglieder, die mit Auto und Flugzeug angereist kamen, warteten. Wir waren 20 Teilnehmer.
Nach all der Aufregung tat uns allen der herzliche und fröhliche Empfang im salle Danton gut. Joël hieß uns herzlich Willkommen, wir tauschten Grüße von und an die Daheimgebliebenen aus, und auch der Bürgermeister Bernard Gauducheau begrüßte uns traditionsgemäß. Später am Abend kamen dann endlich auch Beatrice und Gilles, und beide wurden mit Freude und Erleichterung begrüßt.
Für den Samstag war ein Ausflug nach Poissy und nach Saint Germain en Laye vorgesehen (vorsichtshalber wollte man uns samstags nicht Paris zumuten wegen der immer noch vereinzelt anhaltenden Proteste der gilets jaunes – wie aufmerksam von unseren Freunden!). Poissy besitzt idyllische Plätze am Seineufer, die Maler wie Renoir und Monet zum Verweilen und Malen anregten. Auch der Architekt Le Corbusier hat sich hier verewigt und eine moderne Villa gebaut, die sehenswert ist. Mitten in der Stadt befindet sich eine distillerie artisanale, „Noyau de Poissy“ (Kern von Poissy) genannt. Wir hatten in diesem kleinen alten Familienbetrieb eine sehr nette und interessante Führung, erfuhren, dass die „noyaux“ von den mirabelles et prunelles (Mirabellen und Schlehen) zu einem Liqueur verarbeitet werden und konnten die verschiedenen Stufen der Destillation kosten. Oh la la…


Die Bilder können zur besseren Ansicht angeklickt werden.

Im Restaurant L’instant, wo es ein vorzügliches Mittagessen gab, erlebten wir einen sehr besonderen Moment. Am Nebentisch saß eine Abgeordnete des Départements Yveline, Florence Granjus, hörte uns deutsch und französisch sprechen und erkundigte sich interessiert, wer wir seien. Sie war sehr berührt, trat in unsere Mitte und erzählte uns spontan und in bewegenden Worten, dass ihr Großvater bald nach den Schrecknissen des 2. Weltkriegs schon eine Vision hatte: Deutsche und Franzosen müssten Freundschaft schließen, sich als Partner begegnen und miteinander in Frieden leben. Als dann Mitterrand und Kohl sich in Verdun die Hände gaben, hätte er Tränen in den Augen gehabt und dies Erlebnis habe sie als Kind so geprägt, dass sie in die Politik gegangen sei. In unseren beiden Clubs, die sich seit über 40 Jahren regelmäßig freundschaftlich treffen, sehe sie die Vision ihres Großvaters aufs Schönste erfüllt; dies sei eine Lektion, die zeige, wie wir in einem starken Europa in Frieden miteinander leben können. Wir waren sehr beeindruckt von ihren Worten und klatschten lange.

Am Nachmittag spazierten wir in Saint Germain en Laye durch einen großen Park, der von Le Nôtre, dem berühmten Gärtner von Versailles, sehr weitläufig angelegt und gestaltet wurde. Eine kilometerlange Terrasse zieht sich am Südrand entlang und gibt einen Blick auf La Défense und Paris in der Ferne frei. Vorne rechts im Park fast versteckt, steht ein kleines Schlößchen von Henry IV, in dem Louis XIV, der Sonnenkönig, geboren wurde. Im Schloss von Saint Germain en Laye befindet sich eines der bekanntesten Naturkundemuseen der Welt, das eine kleine weltberühmte Skulptur aus der prähistorischen Zeit beherbergt, den Kopf der „Venus von Brassempouy“. Die mächtige Kirche gegenüber dem Schloss, die Eglise de Saint Germain en Laye, im 19. Jahrhundert zum 4. Mal erneuert, beherbergt das Grab des letzten Stuartkönigs James II (Jacques II), dem Ludwig XIV Aufenthalt gewährte.
Abends trafen wir uns wie immer in gemütlichen familiären Runden und hatten uns viel zu erzählen. Schließlich ist uns der persönliche Austausch im kleinen Kreise besonders wichtig.

Der Sonntagvormittag war dem privaten Programm vorbehalten: Besuch des marché boucolique in Malakoff, Besuch im musée Rodin oder anderswo, Spaziergang in einem der vielen jardins in Paris (jardin du Luxembourg) u.s.w. Am Nachmittag trafen wir uns zu einer Rundfahrt in einem train bleu touristique, der gemütlich durchs Quartier Latin zuckelte. In einem circuit savant wurde uns über Kopfhörer die Entstehung dieses Viertels erklärt.

Der Sonntagabend war wie immer unserer soirée vorbehalten. Im Mittelpunkt stand die Überreichung des diesjährigen Geschenks. Diesmal gab es etwas Besonderes: Alle, also Deutsche und Franzosen sollten gemeinsam abstimmen, wer den 2. Teil unserer Spende bekommen sollte. Der 1. Teil war natürlich, so war es in unserem Lehrter Club beschlossen worden, als Spende für den Wiederaufbau der Kathedrale Notre- Dame de Paris gedacht. Waren wir doch alle damals sehr bestürzt über die enorme Zerstörung dieses besonderen Wahrzeichens von Paris durch den großen Brand. Da nun eine Summe von über 880 Euro zusammenkam, sollte diese geteilt werden und unsere Partnergemeinde aus Vanves sollte die andere Hälfte erhalten und den Empfänger hierzu sollten unsere französischen Freunde natürlich mitbestimmen. Mit Stimmzetteln und Wahlurne liebevoll von Gilles vorbereitet, wurde der Vorgang feierlich, fröhlich durchgeführt. Mit 18 zu 17 Stimmen wurde für die Anschaffung eines vehicule pour handicapé plädiert. Fröhlich ging der Abend weiter. Man sang „Paris s’éveille“, ein Lied welches öfter im train touristique zu hören war und noch in unseren Ohren tönte, oder „Sous le ciel de Paris“, von dem wir den Text in Händen hielten und kräftig mitsangen. Wie schön, dass heute auch Nelly und Marie-Noëlle und all die anderen Helferinnen ganz entspannt nach Hause gehen konnten, nichts aufräumen oder gar in großen Taschen nach Hause tragen mussten, denn alle Arbeit wurde von einem Caterer übernommen!

Der Montag fing wieder mit lustigen Wettkämpfen an: wer schafft die längste zusammenhängende „Apfelschalenschlange“, welche Gruppe gibt am schnellsten Kronkorken mit chinesischen Essstäbchen weiter, wer kann die meisten Erbsen mit Strohhalmen einsammeln….. Es gab viel zu lachen, und traditionsgemäß waren wir Deutschen am Ende die Sieger und konnten die Trophäe mit nach Hause nehmen. Zur Revanche lud Gilles unsere Freunde zum nächsten Jahr nach Lehrte ein. Das abschließende Buffet war hervorragend und als gegen 14.00h der Bus kam, waren wir traurig, schon wieder Abschied nehmen zu müssen. Wie schnell sind doch die wunderschönen Tage vergangen! Wir umarmten uns mit „bisous-bisous“ und versicherten uns, uns ganz bestimmt im nächsten Jahr in Lehrte wiederzusehen. Katharina hat versucht unsere Gefühle und Stimmung in einem „Gedicht“ auszudrücken.

Gedicht vanves

Nun könnte man hier Schluss mit dem Bericht machen. Aber nein! Da gibt es ja noch die DB, die auch für die Rückfahrt für eine (leider eher negative) Überraschung sorgte! In Kurzform: Nach 2 1/2 stündiger Wartezeit im Zug und der späten Durchsage, dass dieser Zug Paris nicht verlassen würde!!, „saß, lag und stand“ man irgendwo im völlig überfüllten TGV nach Mannheim, bekam nach dem Umsteigen den falschen Zug zugewiesen (der fuhr gar nicht über Hannover), musste diesen Zug also schnellstens (!) beim nächsten Halt verlassen, um sofort in den nächsten einzusteigen, hatte noch mehrere plötzliche Halts auf freier Strecke (u. a. fehlten dem Zugpersonal die Zugpapiere), kam weit nach Mitternacht in Hannover an und war schließlich und endlich mit Taxen gegen 3.00 Uhr morgens in Lehrte angekommen! Alles wegen kaputter Bremsen im ICE.